morgens
es ist 5:38 uhr.
es müssten circa zwei stunden gewesen sein vielleicht drei. ich versuche, mich zu wenden, stehe auf und öffne die vorhänge. die ersten sonnenstrahlen furchen mir durch die augen
ich schrecke kurz auf, unsicher, ob es an der zeit oder der gestrigen nacht liegt oder ich die hitze einfach nicht weiter ertragen kann.
auf der anderen straßenseite sehe ich eine taube - gestern waren es noch zwei.
die duftkerze flimmert noch leicht, vielleicht um den gestank von bier, frikadellen und süßwaren aus meiner nase zu radieren. mein kopf noch immer bedröhnt von den verbleibenden Fetzen von Musik und bier bestellungen. meine stimme leicht ächzend von den rufen der letzten nacht: 2; 3; 7,50 €. gin tonic. pils oder helles? ein bonbon kostet 20 cent! ich danke dir! viel spaß!
ich habe noch elf minuten das müsste passen. sina braucht mit dem auto meist vier.
ich putze mir die zähne. wasche mich kurz, versuche irgendwie der illusion von frische nahkommen zu können.
(ich spüre noch immer den geruch von altem bier an mir, es tut sich wohl nichts.)
noch fünf. schockiert stürme ich aus dem haus, platziere eine zigarette bereits in meinen linken mundwinkel und falle dem briefträger fast in die arme. gleichmutig, schon fast zufrieden, blickt er zu mir auf und händigt mir nach viel zu langem wühlen eine postkarte entgegen. ich sehe eine schwarz weiße fotografie einer lagune, einem alten, fast verlassen aussehendem schloß und schnörkelige schrift, die irgendeine italienische phrase zu verbergen versucht. mittlerweile ist es die dritte, ich sollte wirklich mal antworten. Ich stecke sie mir in meine hintere hosentasche und stürme los.
in der distanz sehe ich schon das auto, leipziger kennzeichen wie ich es mir eingeprägt habe. immerhin habe ich das nicht vergessen. sina ist wohl gleich auch schon da.
Heute waren es sechs, das ist ein Glück.
Es ist 6:03